Anstieg der Krankenhausaufnahmen nach Cannabislegalisierung

veröffentlicht am 01.09.2026

Viele Fragen sich, ob die Teillegalisierung von Cannabis einen Anstieg beim Cannabiskonsum sowie bei den Risiken mit sich bringt. Erste Erkenntnisse dazu liefert nun eine neue Studie der Uniklinik Hamburg, die im aktuellen Drugcom-Newsletter zitiert wird. 

Untersucht wurde die Entwicklung der Krankenhausaufnahmen im Kontext von Cannabis von Januar 2022 bis September 2025. Die Forschungsfrage lautete: Gibt es eine Zunahme der Krankenhausaufnahmen wegen Cannabis nach der Gesetzesänderung am 1. April 2024?

Zum Ergebnis

„…77.000 Krankenhausbehandlungen sind in die Studie eingeflossen. Nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes konnte tatsächlich ein sprunghafter Anstieg der Krankenhausaufnahmen nachgewiesen werden. Unter Erwachsenen betrug die Zunahme 5,6 Prozent, unter Jugendlichen sogar 14,9 Prozent. Bei Jugendlichen waren die Behandlungen in den Folgemonaten allerdings rückläufig und haben wieder das vorherige Niveau erreicht. Bei den Erwachsenen ist die Rate der Krankenhausbehandlungen hingegen stabil auf erhöhtem Level verblieben.

Unter den Erwachsenen fiel der Anstieg bei bestimmten Diagnosen besonders deutlich aus. Behandlungen wegen akuter Cannabisintoxikationen, also Vergiftungserscheinungen, nahmen um 37,1 Prozent zu. Auch Psychosen nach Cannabiskonsum wurden häufiger diagnostiziert. Die Rate der Krankenhausaufnahmen wegen Cannabispsychosen stieg nach der Gesetzesänderung um 16,4 Prozent. 

Die Zahl der Krankenhausaufnahmen wegen Cannabisabhängigkeit hat hingegen nicht zugenommen. Der beobachtete Effekt scheint sich auf akute gesundheitliche Probleme zu beschränken. 

Medizinischer Cannabis als Auslöser vermutet

Die Studie kann nicht beweisen, dass die Gesetzesänderung die Ursache für die beobachteten Entwicklungen ist. Die Autoren diskutieren aber die Möglichkeit, dass medizinischer Cannabis einen Anteil an der Entwicklung hat. Denn mit der Legalisierung sind nicht nur die Vorschriften des Freizeitkonsums, sondern auch die für Medizinalcannabis gelockert worden. 

Cannabis ist aus dem Betäubungsmittelgesetz gestrichen worden und kann nun leichter von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden. „Im Ergebnis ist die Nachfrage nach preisgünstigem Medizinalcannabis mit hohem THC-Gehalt sprunghaft angestiegen“, schreiben die Forscher in ihrem Fachartikel.

Cannabis aus illegalen Quellen enthalte durchschnittlich 15 Prozent THC, dem Hauptwirkstoff der Cannabispflanze. Hingegen enthalte Cannabis aus Apotheken im Durchschnitt etwa 24 Prozent THC. Da hochpotente Cannabisprodukte mit einem höheren Risiko für psychische Probleme in Verbindung gebracht werden, könnte ein Wechsel zu solchen Sorten die Zunahme von Vergiftungen und Psychosen zumindest teilweise erklären…“

Quelle: drugcom.de: Aktuelles aus Drogenforschung und Drogenpolitik, abgerufen am 01.09.2026

 

Auf dem Bild sieht man die Hände einer weiblichen Person, die einen Joint herstellt.Foto von Thought Catalog auf Unsplash
Julia Pirwitz

Ansprechpartnerin

Julia Pirwitz

Einrichtungsleitung Beratung, Behandlung

Telefon: 0241-41356118

E-Mail: j.pirwitz@caritas-aachen.de