Impuls 15 in Zeiten von Corona

veröffentlicht am 25.12.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Zeiten sind schwer: Jetzt kommt zu den trüben Aussichten des Winters auch noch ein harter Lockdown mit all seinen Einschränkungen daher – und das gerade zu Weihnachten und Silvester. Wie soll man da nicht die Zuversicht verlieren?

Bitte nicht! Denn Zuversicht ist eine unterschätze Eigenschaft, die nicht nur unsere Weltsicht verändert, sondern auch und gerade unsere Gesundheit. Und was kann jetzt wichtiger sein, als körperlich und seelisch gesund durch die Corona-Krise zu kommen?

Aber was genau meint der Begriff „Zuversicht“?
Der Duden schreibt dazu: „Zuversicht ist das feste Vertrauen auf eine positive Entwicklung in der Zukunft, auf die Erfüllung bestimmter Wünsche und Hoffnungen.“

Ein bisschen mehr ist in der Enzyklopädie der Wertesysteme zu lesen: „Zuversicht ist eine Grundhaltung, die temporär (z.B. nur auf bestimmte Ereignisse, Themen) oder langfristig (in Form einer persönlichen Geisteshaltung) existieren kann. Bei anhaltender und grundlegender Zuversicht als Charaktereigenschaft entsteht Optimismus. (…) Ähnlich des Placebo-Effektes kann Zuversicht dazu führen, dass die positiven Ereignisse durch bewusste oder unbewusste Entscheidungen und/oder Handlungen herbeigeführt werden.“

Zuversicht hat also viel mit unserer inneren Einstellung und Haltung zu tun, mit einer Entscheidung und dem tief verwurzelten Vertrauen, dass alles gut werden wird. Die rheinische Grundannahme „Et is wie et is. Et kütt wie et kütt. Und et hätt noch immer jot jejange!“ zeugt davon. 🙂

Aber auch wenn die Dinge nicht gut ausgehen, ist der Kern der Zuversicht, dass man Spielräume für sich finden kann.

„Es geht nicht um die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern um die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.“ – Vaclav Havel

Wissenschaftler finden immer mehr Belege dafür, dass zuversichtliche und optimistische Menschen sich selbst – aber auch anderen – den größeren Gefallen tun, als Pessimisten. Hier einige wesentliche Erkenntnisse:

  • Ein zuversichtlicher Blick in die Zukunft hilft uns dabei, Schicksalsschläge leichter und schneller zu überwinden und den Lebensmut auch in schwierigen Zeiten nicht zu verlieren. Zuversicht ist damit eine wesentliche Schlüsselkompetenz im Bereich der eigenen Resilienz (Widerstandsfähigkeit).
  • Zuversicht wirkt positiv auf den Körper und aktiviert die Selbstheilungskräfte. So funktioniert z.B. die Immunabwehr von Optimisten nachweislich besser und sie spüren Schmerzen weniger stark.
  • Die positive Sichtweise sorgt dafür, dass Zuversichtliche im Durchschnitt ein größeres soziales Netzwerk haben als Pessimisten. Wie wichtig und hilfreich eine Netzwerkorientierung ist, haben wir bereits im Impuls 4 beschrieben. Schauen Sie doch da noch mal rein! (http://www.suchthilfe-aachen.de/2020/04/08/impuls-4-in-zeiten-von-corona/)
  • Schon in der Bibel steht, dass der Glaube Berge versetzen kann. Zuversichtliche Menschen kennen ihre Stärken und wissen diese aktiv und lösungsorientiert einzusetzen. Das fördert das, was wir Selbstwirksamkeit nennen. Auf dieses Thema sind wir im Impuls 7 näher eingegangen. Auch hier lohnt sich eine kleine Rückschau! (http://www.suchthilfe-aachen.de/2020/04/27/impuls-7-in-zeiten-von-corona/)

 Unser Fazit: Zuversicht und Optimismus tut unserem Körper, Geist und der Seele gut!

Aber wie wird man nun zuversichtlicher?
Mittlerweile gehen Wissenschaftler davon aus, dass Zuversicht zu etwa 30 Prozent genetisch im Charakter verankert ist. Der überwiegende Rest entsteht durch positive Erfahrungen sowie durch eine Entscheidung – und kann damit trainiert werden:

Jeder hat grundsätzlich die Wahl, ob er die Dinge positiv mit Hoffnung und Zuversicht oder negativ mit starken Selbstzweifeln und Angst betrachten möchte.

Zuversichtliche Menschen sind dabei nicht etwa unrealistisch und sehen alles durch die rosa-rote-Glitzerbrille. Vielmehr gehen sie konstruktiv mit Krisen und Belastungen um, begleitet von dem festen Glauben daran, dass diese nur temporär sind:

So wie sich Tag und Nacht, Sonne und Regen oder Frühling/Sommer und Herbst/Winter abwechseln, so wechseln sich auch gute und schwierige Phasen in unserem Leben ab.

So bekommt die Krise erst gar kein Schwergewicht, sondern wird zu einem zeitlich begrenzten Ereignis, das durchaus eine maximale Herausforderung sein kann, aber eben auch wieder sein Ende findet. Und dann geht auch unser Leben nach Corona weiter und Umarmungen, Treffen mit den Lieblingsmenschen, wilde Partys und ferne Reisen werden wieder möglich.

Um Zuversicht zu üben, können folgende Tipps und Tricks helfen:

Erinnern Sie sich an Ihre Erfolge!
Wenn wir Scheitern, reflektieren wir meist und versuchen aus unseren Fehlern zu lernen. Auf Erfolge dagegen schauen wir gar nicht so häufig zurück. Doch auch und gerade aus ihnen lässt sich lernen, nämlich wie sich Erfolge wiederholen lassen. Das steigert Zuversicht und die Selbstwirksamkeitserwartung.

Wechseln Sie die Perspektive!
Wenn Sie zweifeln oder unsicher sind, wechseln Sie die Perspektive und konzentrieren Sie sich bewusst auf einen positiven Ausgang des Ereignisses. Schreiben Sie alles so detailliert wie möglich auf. Sie werden merken, wie sich Ihr Denken auf das Positive fokussiert, Sie neue Hoffnung schöpfen und die Vorfreude steigt.

Suchen Sie sich Vorbilder!
Wenn wir ein Vorbild haben, versuchen wir automatisch, dessen Verhalts- und Denkweisen zu übernehmen. Schauen Sie daher nach Vorbildern, die optimistisch und zuversichtlich mit Herausforderungen umgehen.

Meiden Sie Schwarzseher!
Als Konsequenz vom vorherigen Tipp ergibt sich die Bitte, sich nicht mit notorisch negativen Menschen, unheilbar Unzufriedenen und Schwarzsehern zu umgeben. Sie rauben Ihnen Ihre Energie und verstärken mögliche Zweifel und Sorgen in Ihnen.

Unterstützen Sie andere!
Wer sich zu viel mit sich selbst beschäftigt und ständig fragt „Wie geht es mir heute? Geht es mir besser oder schlechter als gestern?“ fokussiert seine Sorgen. Hilfreich ist es da, eine innere Distanz zu gewinnen, etwa indem man sich stattdessen fragt: „Was kann ich trotz meiner eventuell schwierigen Lage für andere tun?“ So verlassen Sie die Opferrolle und erleben Selbstwirksamkeit – und das sorgt automatisch für positive Gefühle und stärkt die Zuversicht.

Entscheiden Sie sich!
Wie wollen Sie die Corona-Krise (und andere) meistern? Optimistisch oder pessimistisch? Entscheiden Sie sich für eine zuversichtliche Perspektive, werden Sie aktiv und handeln Sie konsequent zu Ihrer Wahl.

„Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.“ – Marc Aurel

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen wunderschöne Weihnachten und einen zuversichtlichen Blick in das neue Jahr 2021!

 

Literaturtipp:
Ulrich Schnabel, Blessing Verlag, 2018: Zuversicht – Die Kraft der inneren Freiheit und warum sie heute wichtiger ist denn je: Ein Buch für alle, die nicht an der Welt verzweifeln wollen. Es beschreibt, wie man die Kraft der inneren Freiheit entwickelt und warum diese wichtiger ist denn je – und das bereits zwei Jahr vor Corona.

 

Textquellen: https://karrierebibel.de/zuversicht/; https://magazin.mein-erbe-tut-gutes.de/wissenswertes/die-kraft-der-zuversicht/
Bildquelle: gesehen bei Facebook, Quelle unbekannt

Yvonne Michel

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