Mit Selbstfürsorge durch stressige Zeiten
veröffentlicht am 15.07.2026
Kennen Sie das vielleicht?
- Sie fühlen sich wie im Hamsterrad?
- Sie versuchen es allen recht zu machen, kommen dabei selbst häufig zu kurz?
- Sie hetzen von Termin zu Termin, von To Do-Punkt zum nächsten und fühlen sich beruflich und/oder privat im Dauerstress?
Für andere da zu sein, ist toll und kann sehr erfüllend sein. Wer sich dabei aber häufig oder ständig selbst vergisst, der verspielt vielleicht sein Wohlbefinden und seine Gesundheit.
Wenn der Stresslevel zu hoch wird, versuchen viele Menschen, wieder in die Balance, einem seelischen Gleichgewicht, zu kommen. Aber wie soll das gelingen, wenn keine Zeit für Ruhe und Entspannung ist oder man ein schlechtes Gewissen verspürt, wenn man die eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt rückt? Bin ich vielleicht zu egoistisch? Wie soll der Laden laufen, wenn ich einen Gang zurückschalte?
Sind Sie schon mal mit einem Flugzeug geflogen und erinnern sich an die Sicherheitsanweisungen des Flugpersonals vor dem Start? Da heißt es: „Im unwahrscheinlichen Fall eines Druckabfalls fallen Sauerstoffmasken von der Decke. Ziehen Sie sich erst selbst eine auf Mund und Nase und helfen Sie dann Kindern und hilfsbedürftigen Menschen…“ Wie kann das denn sein? Wie kann vielleicht eine Mutter oder ein Vater erst an sich selbst denken, bevor man dem eigen Kind hilft? Ganz einfach! Wenn Sie das nicht tun, sind Sie vielleicht schon ohnmächtig oder können gar niemanden helfen!
Dieses Beispiel klingt vielleicht krass, zeigt aber sehr deutlich, was passieren kann, wenn wir uns immer hinten anstellen und uns keine Zeit für unsere Bedürfnisse und unsere Gesundheit nehmen: Wir werden gereizt und unausgeglichen, erschöpft und antriebslos und sorgen dafür, dass unser Körper im permanenten Stressmodus, also in Alarmbereitschaft, ist. Und das kann auf lange Sicht körperlich und/oder seelisch krank machen.
An genau diesem Punkt werden Suchtmittel „interessant“. Sie können – je nach Wirkung – im ersten Moment helfen, abzuschalten und sich zu entspannen… oder wieder aufzuputschen für die nächste Aufgabe. Sie lassen uns Dinge wie durch Watte wahrnehmen und nehmen belastenden Situationen die Schärfe… Sie können das Einschlafen erleichtern und das ständige Grübeln und Gedankenkreisen bremsen. Sie wirken also und erscheinen damit kurzfristig „sinnvoll“. Aber was machen Zigaretten, Alkohol, Medikamente, Handy und Co. mittel- und langfristig mit uns? Ab wann schädigen wir mindestens unserer Gesundheit und wann wird vielleicht aus dem ersten Moment der Entlastung eine Sucht?
Um aus dem Hamsterrad auszusteigen, könnte die Förderung der eigenen Selbstfürsorge relevant sein. Unter dem Begriff „Selbstfürsorge“ versteht man den liebevollen, wertschätzenden, achtsamen und mitfühlenden Umgang mit sich selbst und das Ernstnehmen der eigenen Bedürfnisse. Wer selbstfürsorglich mit sich ist, ist nicht egoistisch oder denkt nur an sich. Vielmehr bedeutet es, sich nicht (immer) zu vergessen.
Prof. Dr. Luise Reddemann, Psychoanalytikerin und Trauma-Expertin, unterteilt die Sorge um sich selbst in fünf wesentliche Dimensionen:
- körperlich (z.B. Bewegung, medizinische Vorsorge, ausgewogene Ernährung, ausreichend Wasser trinken, genügend schlafen)
- emotional (z.B. Freude und Genuss bewusst zulassen und praktizieren, Gefühle zulassen und benennen)
- gedanklich(z.B. Reflexion, Dankbarkeit)
- sozial (z.B. Freundschaften und Kontakte pflegen)
- spirituell (z.B. Meditation, Achtsamkeit, Glückstagebuch)
Ihr Konzept betont, dass Selbstverantwortung und aktives Handeln grundlegend sind, um gut für sich zu sorgen und auch für andere da sein zu können. Selbstfürsorge ist jedoch nicht zu verwechseln mit einzelnen Maßnahmen der Self Care. Sie ist vielmehr ein Ausdruck des Selbstwertgefühls und beeinflusst es gleichzeitig.
Warum kümmert sich nun eine Suchthilfe-Einrichtung um das Thema?
Selbstfürsorglich(er) mit sich zu sein, zu reflektieren, was einem gut tut und Strategien (wieder) zu entdecken, um die eigene Selbstfürsorge zu fördern sind aus unserer Sicht Schutzfaktoren gegen eine Suchtentwicklung. Wer lernt, auf sich zu achten und sich Gutes zu tun aus dem Bereich der o.g. Dimensionen, der ist nicht so schnell gefährdet, Suchtmittel als Hilfsmittel und Bewältigungsstrategie einzusetzen. Selbstfürsorge schützt also einerseits präventiv vor Sucht und unterstützt andererseits suchtkranke Menschen auf ihrem Weg suchtfrei zu werden und zu bleiben. Daher bietet unsere Fachstelle für Suchtprävention beispielsweise im Bereich der betrieblichen Suchtprävention Impulsvorträge und Tagesseminare zum Thema Selbstfürsorge an, die im Konzept des Betrieblichen Gesundheitsmanagements integriert werden können. Menschen aus den Gruppen der Suchthilfe oder Suchtselbsthilfegruppen begleiten wir zur Thematik in den Therapiesitzungen, Intensivtagen oder in Wochenendseminaren.
Haben wir Ihr Interesse zum Thema Selbstfürsorge geweckt? Dann sprechen Sie uns gerne an.
