Wie Arbeit gesund erhält

veröffentlicht am 19.11.2020

Für einige ist Arbeit verbunden mit Stress, Leistung, Erschöpfung und Überforderung. Klar, dass das Aspekte sind, die krank machen können. Sind wir aber mit unserer Arbeit, dem Umfeld dort und unseren Aufgaben zufrieden, dann macht Arbeit eben nicht krank, sondern schützt sogar vor psychischen Erkrankungen.

Aber wie muss Arbeit sein, damit sie uns gesund hält?

Das ist die spannende Fragen, der wir in diesem Beitrag nachgehen wollen. Denn „gute Arbeit“ kann – neben einer angemessenen Entlohnung – noch viel mehr bieten, z.B.:

  • Struktur
  • Erfolg, Anerkennung und Selbstwirksamkeit
  • Aufgabe, Sinn und das Gefühl, gebraucht zu werden und zu etwas Größerem beizutragen (Effzienzerleben9
  • sozialer Austausch und kollegiale Eingebundenheit
  • Integration (Arbeit ist ein Grundrecht aller Menschen.)
  • Identität (jemand sein)

Und damit kann Arbeit ein zentraler Bestandteil unseres Lebens sowie eine wichtige Ressource darstellen.  Gute Arbeit trägt entscheidend zur psychischen Gesundheit und Zufriedenheit der Menschen bei. Was eine Tätigkeit oder ein Arbeitsplatz genau zu einer guten Arbeit macht, können Experten pauschal schwer sagen. Entscheidend ist jedoch die individuelle Passung zwischen Individuum und Tätigkeit. Das liegt u.a. daran, dass die Bewältigungskompetenzen eines Menschen abhängig von seiner biologischen Veranlagung und seiner seelischen und körperlichen Verfassung sind. Unter Arbeitsanforderungen, die die eine Person erschöpft und in Stress versetzt, kann eine andere erst richtig gut und motiviert arbeiten.

Steffi Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health der Universität Leipzig, forscht zum  Zusammenhang zwischen mentaler Gesundheit und Erwerbsbiografie. Sie benennt sechs Bereiche, an denen sich festmachen lässt, ob eine Arbeit der Gesundheit eher zu- oder abträglich ist:

  • Arbeitsbelastung
  • Handlungsspielraum
  • Anerkennung
  • Gemeinschaftsgefühl
  • Gerechtigkeit und
  • Werte

„Wird die Arbeitslast als bewältigbar eingeschätzt und hat der Einzelne Wahlmöglichkeiten und Kontrolle, ein unterstützendes Team, Anerkennung und Belohnung und erlebt dabei Fairness, Respekt und soziale Gerechtigkeit und seine Arbeit als sinnvoll und wertegeleitet, kann daraus Engagement entstehen, das die psychische Gesundheit fördert“, sagt die Forscherin. Gute Arbeit kann einen Menschen also stabilisieren und psychische Belastungen in anderen Lebensbereichen auffangen helfen – und das sogar über die Pensionierung hinaus.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov haben 75 Prozent der Teilnehmer Freude an ihrer Arbeit. Besonders wichtig für ihre berufliche Zufriedenheit waren dabei die Möglichkeit zu neuen Herausforderungen, ein abwechslungsreicher Arbeitsalltag und gute Gehaltsaussichten. Für 14 Prozent war es außerdem wichtig, „etwas Sinnvolles“ für die Gesellschaft zu tun. Nur sieben Prozent waren unzufrieden mit ihrer Arbeit.

Arbeitslosigkeit mach krank

Einer anderen Studie zu Folge (DAK-Gesundheitsreport 2014) macht nicht Arbeit, sondern vor allem Arbeitslosigkeit krank, da sie die Lebenszufriedenheit eines Menschen dauerhaft reduziert. Unter chronischem Stress leiden daher vor allem Alleinerziehende, Studierende und Arbeitslose – nicht etwa vielbeschäftigte Manager. Zwei Erkenntnisse der Studie: Je geringer der soziale Status, desto höher der Stress.  Und: Viel anstrengender als ein „stressiger Job“ mit viel Verantwortung sind Geldsorgen, unklare Zukunftsaussichten, das Fehlen einer sinnvollen Aufgabe oder die mangelnde Wertschätzung, die mit Arbeitslosigkeit einhergeht.

Wer arbeitslos ist, hat statistisch ein höheres Risiko, ein psychisches Leiden zu entwickeln. Wer bereits psychisch erkrankt ist, dessen Probleme verschärfen sich oft in der Arbeitslosigkeit. Jeder dritte Hartz-IV-Bezieher hat eine diagnostizierte psychische Störung, so eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesarbeitsagentur. Und genau daher ist es wichtig, psychisch Kranke – und dazu gehören auch suchtkranke Menschen – nicht nur medizinisch und therapeutisch zu unterstützen, sondern sie auch durch Beschäftigung zu stabilisieren. Diese Zielgruppe profitiert nachweislich von beruflicher Tätigkeit, weil sie wieder Struktur, Effizienz und Teilhabe erleben.

Quelle: Psychologie heute, 01.12.2014

 

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Yvonne Michel

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