Interview mit Rapper Döll zum Thema Spielsucht

veröffentlicht am 13.01.2020

Innerhalb von drei Tagen 5.000 Euro gewinnen und wieder verlieren? Geht. Der Rapper Döll geriet in den Sog des Glücksspielrausches. Mit ze.tt hat er darüber gesprochen, wie er den Ausstieg geschafft hat. Wir fanden das Interview sehr spannend und haben daher hier einige Auszüge für Sie zusammengefasst, in denen deutlich wird, was den hohen Reiz beim Glücksspiel und Wetten ausmacht:

„Die erste Erfahrung mit Glücksspiel habe ich tatsächlich im Kindesalter gemacht. Damals war ich mit meinem Patenonkel beim Italiener. In Restaurants ist es ja bis heute gang und gäbe, dass dort Spielautomaten rumstehen. Auf dem Weg zur Toilette stand so ein Kasten, der unbesetzt war. Ich hatte zufällig ein paar Münzen in der Tasche. Also habe ich ein, zwei Mark reingeworfen und tatsächlich auch was rausgeholt.“

„Im ersten Moment ist das natürlich auch eine mysteriöse, interessante Welt. Glücksspiel findet oft in eher verruchten Etablissements statt. In Casinos hängen normalerweise keine Uhren, die Luftfeuchtigkeit stimmt, die Temperatur ist angenehm, man fühlt sich da erstmal einfach wohl.“

„Was mich zum ersten Mal richtig gecatcht hat, war, als ich meinen ersten eigenen Wettschein ausgefüllt habe. So’n klassisches Ding: Bayern München hat ’ne hohe Chance, zu gewinnen, also setzt man zehn Euro auf Bayern München, vier Euro hätte ich in dem Fall gewonnen. (…) An dem Abend hat sich das super gut angefühlt, ich dachte: Geil, ich hab nichts gemacht und vier Euro erwirtschaftet, jetzt kann ich mir ’nen Sixer Vplus holen.“

„In meinem jungen Alter hat sich das damals angefühlt, als müsste ich nie wieder arbeiten gehen. Das ist der Anfang einer typischen Spielerkarriere, der große Gewinn. Das ist der Fluch an der Sache, du erinnerst dich immer an das Erfolgserlebnis.“

„Und um überhaupt alleine zu spielen zu können, musst du dir ein Lügengerüst aufbauen. (…) Ich habe am Ende tagtäglich alle Leute in meinem Umfeld angelogen. Meine damalige Freundin, meinen Bruder, Freunde, auch Leute, mit denen ich gearbeitet habe.“

„Meine Spielsucht hat mich nicht nur finanziell und sozial ruiniert, sondern auch meiner Gesundheit geschadet. Ich hatte Sessions, bei denen ich acht Stunden gespielt und dabei nur Kaffee und Zigaretten zu mir genommen habe.“

Matthias Schreiber

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Matthias Schreiber

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