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Leben hat Gewicht

Informationen für Multiplikatoren

Essstörungen haben in Deutschland ein beunruhigendes Ausmaß angenommen. Bereits jedes zweite Mädchen zwischen 13 und 14 Jahren möchte dünner sein. Laut Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts (KiGGS) leidet jedes fünfte Kind zwischen 11 und 17 Jahren unter Symptomen einer Essstörung. Jede achte Frau ist zwanghaft essgestört. Die Gefahren werden dabei häufig unterschätzt: Bei 15 Prozent endet die Magersucht durch Unterernährung und den Folgeschäden tödlich.

Gemeinsam gegen den Schlankheitswahn

Im Rahmen des Modellprojektes hat die Suchthilfe Aachen ein strukturiertes Therapieprogramm entwickelt, in dem die Teilnehmerinnen ihr gestörtes Essverhalten schrittweise reduzieren können. In der Gruppe Gleichgesinnter lernen sie neue Bewältigungsstrategien für den Umgang mit Stress, Konflikten und anderen Belastungen. Inhaltliche Schwerpunkte sind aber auch ein verbessertes Körpergefühl mit einer realistischen Körperwahrnehmung sowie die Entwicklung einer selbstbewussten, weiblichen Identität. Insgesamt wird an einer Verbesserung des Selbstwertgefühls gearbeitet, um eine langfristige Normalisierung des Essverhaltens zu erreichen.

Das Basismodul beinhaltet zehn Einheiten jeweils einmal wöchentlich. In der Gruppe Gleichgesinnter lernen die Betroffenen die Auseinandersetzung mit dem gestörten Essverhalten, Informationen zu gesundem Essverhalten, Aufbau einer Veränderungsmotivation, Entwicklung einer Krankheitseinsicht mit Bewusstheit über die Funktionalität der Essstörung und Hilfen für eine verbesserte Gefühlsregulation. Die Gruppe begleitet zusätzlich eine Ernährungsberaterin. Sie vermittelt Grundkenntnisse über gesundes Essverhalten und gibt Hilfestellungen beim gemeinsamen Einkauf, Kochen und Essen für den persönlichen Essplan.

Jede Sitzung beinhaltet konkrete Schritte zur Neuorientierung und Verhaltensänderung, die bis zur nächsten Sitzung eingeübt werden. Die Aufnahme in das Gruppenprogramm erfolgt bei ausreichender Motivation und Gruppenfähigkeit.

Hilfe auch für Angehörige

Die Scham, sich die Essstörung einzugestehen und Hilfe anzunehmen, bringt die Betroffenen dazu, sich von ihrem sozialen Umfeld zu isolieren. Eltern und Freunde wissen oft nicht, wie sie reagieren sollen. Die Suchthilfe Aachen bietet daher nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für Angehörige und Freunde im Rahmen der offenen Sprechstunde eine Anlaufstelle für Information und Beratung. Alle Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. Die Angebote sind kostenlos oder werden z.B. von den Krankenkassen übernommen. Unser Grundsatz ist es, möglichst früh einzugreifen, bevor nur noch der Arzt und die Klinik helfen können.

Aachen als Vorreiter für Deutschland

Ein Ziel des damaligen Modellprojektes war die Entwicklung und Erprobung von effektiven und passgenauen Angeboten für essgestörte Mädchen und Frauen aus der Stadt und Städteregion Aachen. Nach Ablauf des Modellprojektes sollten die Erfahrungen aus der Städteregion Aachen auch auf Bundesebene umgesetzt werden. Das 147-seitige Manual mit 23 Arbeitsblätter und 12 Arbeitsanleitungen kann bei uns angefordert werden. Mitarbeiterinnen aus Beratungsstellen und anderen Einrichtungen des Suchthilfesystems stellen wir das Manual und die Ergebnisse der Modellphase im Rahmen von Multiplikatorenschulungen vor. Sprechen Sie uns bei Interesse gerne an.