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Ein Fallbeispiel: Anna, 20 Jahre, magersüchtig

Anna ist 20 Jahre alt. Sie ist vor kurzem für ihr Studium nach Aachen gezogen. Sie leidet darunter, dass sich ihr ganzer Alltag nur noch um Essen dreht. Daher sucht sie die offene Sprechstunde auf. Anna hat seit zwei Jahren eine Essstörung mit stark kontrolliertem Essen, die sich in eine Magersucht entwickelt hat. In letzter Zeit hat Anna auch mehrfach erbrochen, weil sie mehr gegessen hat, als ihr strenges Kontrollsystem erlaubt. Anna vermeidet es, Kohlenhydrate und Fette zu essen. Da sie Vegetarierin ist und am liebsten Veganerin werden möchte, isst sie viel zu wenig Eiweiß. Sie meint, dass sie sich mit überwiegend Gemüse und etwas Obst gesund ernährt, merkt aber zunehmend, dass sie immer kränker wird. Anna macht zwanghaft Sport und will unbedingt 20.000 Schritte am Tag gehen. Die Mangelernährung macht sie zunehmend depressiv und unkonzentriert. Sie fühlt sich einsam, da sie sich mit der Magersucht immer mehr zurückzieht. Das Studium stresst sie sehr.

Anna ist sehr erleichtert, als sie sich in der Beratungsstelle zum ersten Mal jemandem anvertraut. Bisher weiß niemand von ihrer Essstörung, da sie sich schämt, und andere nicht mit ihrer Erkrankung belasten will.

So wie Anna geht es vielen jungen Frauen mit einer Essstörung. Sie alle haben das Gefühl „Ich bin nicht richtig so, wie ich bin.“. Sie versuchen, allen Anforderungen gerecht zu werden, sind fleißige Schülerinnen/Studentinnen/Auszubildende und zeigen nach außen vor allem ihre Stärken. In den Einzelgesprächen verstehen sie allmählich, warum sie die Essstörung entwickelt haben. Viele versuchen mit der Essensreduktion, der Leistungsorientierung sowie Überanpassung ihre vermeintlichen Schwächen auszugleichen. Die notwendige Änderung des Essverhaltens ist mit großen Ängsten verbunden. In kleinen Schritten müssen sie wieder lernen, „normal“ und wirklich gesund zu essen. Eine Integration von Ernährungsberatung und medizinischer Versorgung ist häufiger Bestandteil der Therapie.

Allmählich lernt Anna sich zu öffnen und belastende Gefühle zu zeigen. Gleichzeitig baut sie Ressourcen im Alltag auf, um ihre Stressbewältigung zu verbessern und wieder mehr Lebensfreude zu entwickeln. Nach einigen Monaten mit Einzelgesprächen wagt Anna mit vielen Ängsten den Schritt in die Essstörungsgruppe. Dort erlebt sie viel Verständnis und Unterstützung. Der Austausch in der Frauengruppe stärkt ihren Gesundungsprozess.

veröffentlicht am 4. September 2018

Autor: Yvonne Michel

Kategorie(n): Info

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