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Sucht im Alter – ein Thema, das nicht wahrgenommen wird

Sucht und Abhängigkeit ist schon lange kein Thema mehr ausschließlich für Jugendliche und junge Erwachsene. Vielmehr hat es auch die Generation „Fünfzig plus“ erreicht: Laut Deutscher Hauptstelle für Suchtfragen (dhs) sind mehr als zwei Millionen Männer und Frauen über sechzig Jahren Raucher. Bis zu 400 000 sind von Alkoholmissbrauch oder – abhängigkeit bedroht. Das größte Problem stellt aber der missbräuchliche Konsum von psychoaktiven und schmerzlindernden Medikamenten dar. Hiervon sind weitere ein bis zwei Millionen ältere Menschen betroffen. Aufgrund der demographischen Entwicklung ist anzunehmen, dass diese Zahlen in den nächsten Jahren weiterhin ansteigen.

In den Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe sind ältere Menschen dagegen kaum anzutreffen. Abhängigkeit im Alter wird nicht wahrgenommen, verläuft eher im Verborgenen und ist wesentlich verschleierter. Die Ursachen hierfür liegen meist in der Wohn- und Lebenssituation der älteren Menschen. Häufig leben Betroffene allein oder sind Bewohner von stationären Alten- und Pflegeheimen. Viele haben nur geringe soziale Kontakte, sodass niemand auf ihren Konsum aufmerksam wird. Oder Angehörige und Menschen aus dem Umfeld nehmen die Sucht stillschweigend hin. „Man interpretiert und akzeptiert eine Abhängigkeit bei alten Menschen eher als schlechte Angewohnheit, an der ‚nun auch nichts mehr zu ändern ist‘. Oder man glaubt, dass man dem Betroffenen ‚das nicht auch noch nehmen will‘. Manchmal bekommen unsere Berater auch zu hören ‚Das lohnt sich eh nicht mehr!‘ „, berichtet Gudrun Jelich, Geschäftsführerin der Suchthilfe Aachen.

Dabei wird nicht erkannt, welche Folgen der fortgesetzte Substanzkonsum für den betroffenen Menschen hat. Abnahme der geistigen und körperlichen Leistungsfäh-igkeit, eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, anhaltende Müdigkeit oder Schwindel können Folgeschäden sein, die leider dem zunehmenden Alter statt der Sucht zugeschrieben werden. „Sucht bringt ein unfreies, abhängiges Leben mit sich. Die Lebensqualität wird eingeschränkt – egal in welchem Alter“, meint Martin Peter, Psychologe in der Suchtberatung.

Es gibt nicht den einen Grund, warum ein Mensch noch im höheren Alter süchtig wird, wo er doch sein Leben bisher suchtfrei gemeistert hat. Der Verlust des langjährigen Partners, eigene körperliche und geistige Einschränkungen, Langeweile und Einsamkeit oder auch die Abnahme der Eigenständigkeit können Ursachen sein.
Gelingt es aber, den Konsum zu reduzieren oder einzustellen, können Betroffene schon nach kurzer Zeit mit einer deutlichen Steigerung des Wohlbefindens und damit mehr Lebensfreude rechnen. Daher bietet die Suchthilfe Aachen auch Beratung und die Teilnahme an Motivationsgruppen für ältere Menschen an. Peter erklärt: „Hier geht es häufig darum, eine Bilanz des bisherigen Lebens zu ziehen und sich mit bestimmten Ereignissen auszusöhnen. Aber auch ältere Menschen haben ja noch Ziele und Perspektiven, die besprochen und mit Unterstützung unserer Berater angegangen werden.“

Information und Beratung zu den Angeboten gibt es in den offenen Sprechzeiten der Suchtberatung, Hermannstr. 14: montags von 09:00 – 11:00 Uhr und donnerstags von 16:00 – 18:00 Uhr sowie nach Terminabsprache.
Tel. 0241/ 41356-128, www.suchthilfe-aachen.de

veröffentlicht am 1. Dezember 2008

Autor: Yvonne Michel

Kategorie(n): Presseinformation

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