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Betriebliche Suchtprävention: Sucht macht auch vor Betrieben keinen Halt

Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Auch vor Betrieben machen Alkohol-, Medikamenten oder Drogenabhängigkeit, Essstörungen oder Spielsucht keinen Halt: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) geht z.B. davon aus, dass ein Drittel der Heroin- und zwei Drittel der Cannabiskonsumenten einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen. Es gibt demnach etwa eine Millionen Cannabiskonsumenten am Arbeitsplatz. Vornehmlich sind dies junge Menschen. Rechnet man ferner repräsentative Untersuchungen zum Alkoholkonsum in Deutschland hoch, so sind in einem Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern 30 alkoholabhängig und weitere 50 trinken riskant.

Den „drogenfreien Betrieb“ gibt es wahrscheinlich nicht.
Führungskräfte müssen sich mit dieser Tatsache auseinandersetzen. Sie müssen realisieren, dass ihnen im Betrieb nicht der „schmuddelige Junkie von der Straße“ begegnet, sondern ein Mitarbeiter, der relativ lange ein unauffälliges Erscheinungsbild zeigt. Bei den Gelegenheitskonsumenten wird es eher um vereinzelte Tage mit Auffälligkeiten gehen, solche Tage, an denen sich am Vortag die Gelegenheit ergab, Alkohol zu trinken oder Substanzen zu konsumieren. „Problematisch wird es bei Stoffen, die der Körper nur langsam abbauen kann. Auch am nächsten Tag kann es noch zu Auffälligkeiten kommen, wie es z.B. bei Restalkohol der Fall ist“, erklärt Yvonne Michel, Referentin für das Thema Sucht im Betrieb bei der Suchthilfe Aachen.
Alkoholabhängige Mitarbeiter fehlen dabei im Vergleich zu nichtabhängigen Kollegen 2,5-mal so oft im Jahr. Sie sind 3,5-mal häufiger in Arbeitsunfällen verwickelt und fehlen nach Unfällen 1,4-mal so lang. Aber auch der „harmlose“ Tabakkonsum kann aus betriebswirtschaftlicher Sicht kritisch gesehen werden. Wenn ein Arbeitnehmer 20 Minuten seiner Arbeitszeit am Tag für seinen Tabakkonsum aufwendet, kommt er damit auf rund elf bezahlte Ausfalltage pro Jahr. Darüber hinaus fehlen Raucher bedingt durch gesundheitliche Belastungen im Schnitt 30 Prozent häufiger als Nichtraucher.
Zusammenfassend heißt das: Sucht am Arbeitsplatz betrifft nicht nur den Einzelnen, sondern durch verminderte Leistungsfähigkeit, Verschlechterung des Betriebsklimas und Gefährdung der Sicherheit am Arbeitsplatz auch den Betrieb.

Betriebliche Suchtprävention als Qualitätsstandard
Früher bezog man sich in der betrieblichen Suchtprävention ausschließlich auf den Alkohol. Man reagierte mit verschiedenen Einzelmaßnahmen und Aktionen zur Suchthilfe. Heutige Ansätze beziehen auch Tabak, illegale Drogen, Medikamente, Essstörungen oder Spielsucht mit ein. Sie verfolgen eher die frühzeitige Prävention und Intervention. Der Umgang mit Sucht im Betrieb wird Teil der betrieblichen Gesundheitsförderung und als Qualitätsstandard der Mitarbeiterführung gesehen.
Als erfahrener Kooperationspartner bei diesem Thema bietet sich die Suchthilfe Aachen unter Trägerschaft der Caritas und Diakonie an. Yvonne Michel erklärt: „Wir schauen gemeinsam mit den Verantwortlichen, welche Module benötigt werden. Bei Bedarf bieten wir z.B. Workshops zur Prävention und Information für Auszubildende, Raucherentwöhnungskurse oder Vorträge für Mitarbeiter an. Auch schulen wir Ausbilder und Personalverantwortliche, um ihre sachliche Einschätzung zur Alkohol- und Drogenproblematik im Betrieb zu fördern. In Seminaren zu Gesprächstechniken lernen sie, wie erfolgsversprechende Gespräche mit Betroffenen geführt werden können.“

Weitere Informationen bei:
Suchthilfe Aachen, Yvonne Michel, Hermannstr. 14, 52062 Aachen, Telefon 41356- 130, michel at suchthilfe-aachen.de

veröffentlicht am 18. August 2008

Autor: Yvonne Michel

Kategorie(n): Presseinformation

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